Zusammenarbeit bereits um 1864 praktiziert
Schortens und Sande mussten die Baulast für den Grenzsteg gemeinsam tragen
Vor 150 Jahren waren fast alle Wege zu Fuß zu erledigen. Daher waren kurze und direkte Verbindungen gefordert. So durchzog ein breites Netz schmaler Fußwege, teilweise als Kirchwege, die Lande. Probleme in den Marschgegenden bereiteten dem Fußgänger die Wasserzüge, die mit einem nur schmalen Holzsteg überquert werden mussten. Die Unterhaltung und Pflege dieser Stege war vielfach ein Streitpunkt, wie ein Blick in die Annalen beweist. Dabei kam es vor fast 150 Jahren zu einer intensiven Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden Schortens und Sande. Es führte vom Ort Middelsfähr, am Ende der heutigen Straße „Auf dem Deich“ gelegen, ein schmaler Fußweg direkt über das Tief nach Sande-Seedeich. Er war seinerzeit wohl stark frequentiert. Zwischen Middelsfähr und Seedeich gab es nur wenige Möglichkeiten, um das hier fließende Mariensieler Binnentief zu überwinden. Der dazu im Weg vorhandene „Grenzsteg“ war eine der Möglichkeiten und wurde Ende 1864 „zum Stein des Anstoßes“. Daraus entwickelte sich zwischen den Gemeinden Sande und Schortens eine intensive „inter-kommunale Zusammenarbeit“, obwohl dieser Begriff zu jener Zeit wohl noch nicht geläufig war.
In der Sitzung am 22. Oktober 1864 lag dem Gemeinderat Schortens ein Schreiben des Gemeindevorstehers R. G. Brahms aus Sande „betreffend Unterhaltung des Grenzstegs über das Mariensieler Tief im Fußweg von Middelsfähr nach Seedeich“ vor. Der Rat in Schortens stellte fest, dass die Unterhaltung des Steges weiterhin eine Sache der Rüstringer-Kniphauser Sielacht sei. Die Sielacht hatte aber schon im Oktober 1864 in Peters Gasthaus in Mariensiel getagt. Es wurde beschlossen die Reparatur abzulehnen, da die Sielacht weder nach der Deichordnung noch nach der Wegeordnung zur Unterhaltung verpflichtet sei.
Zur Beratung des damit entstandenen Problems trafen sich die Gemeinderäte von Schortens und Sande am 4. November 1864 in „Taddickens Gasthause zum Weißenfloh“. Das Gasthaus stand an der alten Landstraße von Ostiem nach Sanderbusch. Im Protokoll über die Beratungen heißt es: „Das Mariensieler Binnentief bildet die Grenze zwischen diesen beiden Gemeinden, somit haben dieselben gleiches Interesse an der in Frage stehenden Sache. Dieser Steg wurde bisher von der Rüstringer-Kniphauser Sielacht repariert. Im Sommer wurde das Mariensieler Binnentief geschlötet und bedeutend verbreitert, wodurch die Stegfundamente bloßgelegt wurden, was der Sielacht wiederholt von der Gemeinde Sande angezeigt wurde mit dem Antrage, die Sielacht möge die Instandsetzung und Unterhaltung des fraglichen Steges wie bisher übernehmen.“
Die Sache wurde gehörig „berathen“, worauf von den Gemeinderäten beschlossen wurde: „Falls die Sielacht sich nicht für verpflichtet halte zur Instandsetzung, wird der Sielacht angezeigt, dass eine Beschwerde bei der Großherzoglichen Regierung eingeführt wird.“
Doch die Anstrengungen waren wohl ohne Erfolg, denn nur einen Monat später, am 14. Dezember 1864 trafen sich die Gemeinderäte an gleicher Stelle wieder. Es wurde eine Resolution des Großherzoglichen Amtes Jever vorgetragen, nach der den Gemeinden Schortens und Sande die Unterhaltung auf die „beiderseitigen Gemeindecassen“ überwiesen war.
Die beiden Gemeinderäte beschlossen nach längerer Beratung, dass ein ferneres Protestieren nicht von Nutzen sein könne, wollten demnach die Kosten für den betreffenden Steg auf die beiderseitigen Gemeindekassen übernehmen und beschlossen ferner, dass für Schortens der Zimmermann Jürgens und für Sande der Müller Seetzen den Weg in Augenschein nehmen mögen und beschließen, ob die Reparatur jetzt oder im nächsten Frühjahr vorzunehmen sei. Über die durchgeführten Maßnahmen verraten die Akten leider nichts. Aber am 15. März 1865 ist notiert, dass für die Abnahme des Stegs über das Tief die Ratsmitglieder Franz Harms und Eilert Bernhard Strahl, Roffhausen, und Gemeindevorsteher Dudde Ammen Eilts, Schortens, in Vorschlag benannt werden.
Zehn Jahre später, am 8. August 1875, war der betreffende Fußweg noch einmal der Gegenstand einer Beratung. Der Gemeinderat beschloss, dass der Fußweg vom Holztiefsteg in Edo Frerichs Schmidt letztes Landstück besteint (gepflastert) und dazu die Steine aus dem „Oldenburgischen“ beschafft werden sollen. Der Gemeinderat beschloss, dass dem Bauernvogt Frerichs von Roffhausen die Instandsetzung aufgegeben werden soll. Weitere Nachrichten über diese Angelegenheit gibt es nicht. Die genaue Lage des Weges und des Steges über das Mariensieler Tief sind schwer zu ermitteln. Vor Ort sind keine Spuren mehr festzustellen. Wer dazu etwas beitragen kann, möge sich bitte melden, auch unter archiv@schortens.de
Martin Noormann
„Heidmühle und Schortens in Bildern der Ver-gangenheit“ wird als Serie fortgesetzt. Wer historische Dokumente und Fotos dafür zur Verfügung stellen kann, wende sich bitte an Georg Schwitters, Telefon (04461) 8 31 89.

Die Katasteraufnahme von 1841 zeigt den Verlauf des Mariensieler Binnentiefs im Bereich zwischen Middelsfähr und Seedeich. Den Verlauf des Fußweges und den ungefähren Standort des Steges „in Schmidt‘s letztes Landstück“, wie es in den Annalen heißt, haben wir nachgetragen.
