Dampfbäckerei Bernhard Ulfers
Die Spurensuche nach dem Schortenser Bäcker Heinrich Warner war erfolgreich
In der Ausgabe Dezember 2008 dieses Gemeindebriefes wurde davon berichtet, dass der Schortenser Bäcker Bernhard Heinrich Magnus Warner 1890 in die USA ausgewandert war. Die amerikanischen Nachfahren suchten die frühere Wirkungsstätte ihres Ahnherren, aber eine Bäckerei Warner war hier nicht mehr bekannt. Im Zuge unserer Nachforschungen zum Hause Eilksstraße/Ecke Klein-Ostiemer-Weg kommt nun Licht in das Dunkel der Vergangenheit.
Die wohl mit Sicherheit älteste Bäckerei der Gemeinde bzw. Stadt Schortens ist die heutige Bäckerei Ulfers in Schortens. Sie wurde 1866 von dem Bäckermeister Anton Warner gegründet. Anton Warner, geb. 1831, war der jüngste Sohn eines Johann C. Warner zu Addernhausen (*1789 †1861).
Anton Warner selbst hat 1877 – als das Amtsgericht Jever ein neues Grundbuch für Schortens anlegte und dazu die Eintragungen in den bestehenden Mutterrollen durch Befragung der Eigentümer zu Erwerb, Lage, Art und Größe, Feuerversicherung und grundheuerlichen Gerechtigkei-ten überprüfte – vor dem Justizrath Graepel und dem Protokollisten Abrahams folgende Beurkundung unterschrieben:
Zu „Protocoll“ wurde gegeben: Nach den in meinem Besitz befindlichen drei Urkunden, die ich übergebe, verkaufte die Ehefrau des Kaufmanns Johann Friedrich Zimmermann, Sophie Catharine geb. Harms ihr durch Contract vom 21. April 1854 von Peter Graalfs Sidden angekauftes Häuslingshaus mit Garten an den Schlächter Jürgen Ammen Zimmermann zu 2/3 und an den Zimmermann Hinrich Jürgens zu 1/3. Hierbei ist bemerkt, daß das Haus abgebrochen werden solle, und jeder Käufer auf seinem Theile ein neues Haus ausführen wolle. Laut Protocoll des Amtsgerichts vom 17. Novbr. 1864 hat sodann Jürgen Ammen Zimmermann das ihm gehörige zu Schortens gelegene Haus mit Garten zum Antritt des 1. Mai 1865 an den Lichtzieher Ike Janshen zu Sengwarden verkauft. Laut Contract des Amtsgerichts vom 8. Novbr.1866 habe ich sodann die Stelle von Iko Janshen zum sofortigen Antritt gekauft. Anton Warner.
Es kann vermutet werden, dass der von Jürgen Ammen Zimmermann errichtete Neubau bereits ein Geschäftshaus war. Fest steht: Anton Warner war der erste Bäckermeister in diesem Hause. Anton Warner war verheiratet mit Gesche Margarethe geb. Oltmanns. Er verstarb im Oktober 1900 und hinterließ seinen vier Söhnen das Erbe. Dies waren der Bäckermeister und spätere Eisenbahnarbeiter Johann Gerhard Warner, Hamburg; der Farmer Heinrich Magnus Warner, Cedarville, Dade County USA, Missouri; Johann Warner, Schneidermeister in Oldenburg; der Hülfswärter August Warner, Heidmühle.
Am 11. Juni 1903 ging das Grundstück auf den Bäckermeister Johann Hinrich Anton Theilen über. Bereits drei Jahre später, verkaufte Theilen das Anwesen an den Bäckermeister Heinrich Johann Martin Oetken. Oetken modernisierte die Backöfen, die fortan mit heißem Dampf arbeiteten. Er verstand es, das Bäckereigeschäft über die Jahre des Ersten Weltkriegs und der Weltwirtschaftskrise zu führen. Das war nicht immer leicht, herrschte doch oftmals großer Mangel an Backmitteln. Was aber noch schlimmer war: Das Geld zerran in der Inflationszeit. 1923 kostete ein Kilogramm Brot 399 Milliarden Mark.
1937 kaufte der Bäckermeister Bernhard Ulfers die gutgehende Bäckerei. Er und seine Frau Gerda geb. Lütken konnten das Geschäft weiter ausbauen. Der Krieg machte alle weiteren Zukunftspläne zunichte. Bernhard Ulfers wurde eingezogen. Er fiel schon kurz darauf im Jahre 1944. Seine Frau und die zwei minderjährigen Kinder Bernd und Dietward blieben allein zurück. In den Jahren 1944/45 wurden durch Bedienstete der Wehrmacht Backwaren hergestellt, die zum größten Teil in das Lazarett in Sanderbusch geliefert wurden.
Gleich nach Ende des Krieges beschlagnahmten polnische und kurz darauf kanadische Besatzungssoldaten die Bäckerei, um die Versorgung ihrer Landsleute sicherzustellen. Es folgten die Dänen. deren Produktion kam zum Verpflegungsamt nach Heidmühle, um ebenfalls der Truppenversorgung zu dienen. Erst 1947 konnte wieder für die heimische Bevölkerung gebacken werden. Die Bäcker Franz Torkewitz, Enno Adden und Hermann Busker versuchten, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln Backwaren herzustellen. Wer kennt nicht das gelbe Brot aus Maismehl? Für Auslieferungen wurde ein „Tempo“-Dreirad-Auto genutzt.
Gerda Ulfers übergab 1964 den Betrieb an ihren ältesten Sohn Bernd. Er hatte seinen Meister gemacht und kannte seinen Betrieb. Mit seiner Frau Marie geb. Harms und seinem Bruder Dietward brachte er weiteren Schwung in den Laden. Es gehörte dazu, frühmorgens mit dem Moped oder Fahrrad Kunden mitfrischen Brötchen zu versorgen. Die Tochter Anke und Schwiegersohn Ralf Ulfers haben inzwischen die Bäckerei übernommen. Neue Filialen in der Jeverschen Straße, in Neustadtgödens sowie in Reepsholt sind entstanden. Gut 20 Mitarbeiter haben „Brot“ und Arbeit. Das Warenangebot wurde erheblich erweitert. Neben den leckeren Backwaren sind Waren des täglichen Bedarfs im Angebot. Die Kunden wissen es zu schätzen, alles in frischer Güte einzukaufen und nebenbei noch einen lütten Klönsnack halten zu können. Rudi Rabe/Georg Schwitters
“Heidmühle und Schortens in Bildern der Vergangenheit” wird als Serie fortgesetzt. Wer historische Dokumente und Fotos dafür zur Verfügung stellen kann, wende sich bitte an Georg Schwitters, Telefon (04461) 8 31 89.
