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Historisches

Im Haus gab es so viele Klosetts

h3.Geschichte der Häuser
Oldenburger Straße 12 und 14

Der heutige Bericht befasst sich mit den Anfängen des Hauses Oldenburger Straße 14, bekannt als das Geschäftshaus von E.W. Hayen. Seine Geschichte ist gleichzeitig auch ein Stück Heidmühler Ortsgeschichte, hängt sie doch mit der alten Heidemühle zusammen.
Die gesamten Ländereien „Südlich an der Chaussee“ (so der Grundbucheintrag, heute Oldenburger Straße) bis zur Straße von Schortens (heute Menkestraße) und Nördlich der Chaussee bis zur heutigen Bundesstraße gehörten nämlich zum Mühlenbesitz. Der damalige Mühlenbesitzer Behrend Eilts Decker verkaufte 1905 einen Teil des in der Oldenburger Straße/Ecke Menkestraße gelegenen Grundstückes an den Sillensteder Zimmermeister Friedrich Freudendahl, weil er sich wegen Erbauseinandersetzungen in finanziellen Schwierigkeiten befand. Decker war übrigens der Erbauer der Gastwirtschaft, die später Bahnhofshotel genannt wurde. Die Mühle und das Müllerhaus veräußerte er an den Müller Ludwig Janssen aus Eggelingen, der das Müllerhaus 1908 abbrechen ließ und schließlich die Mühle 1913 zum Abriss und Wiederaufbau in Aperberg/Landkreis Ammerland verkaufte.
Wie die alte Karte zeigt, war bis 1905 das Eckgrundstück Südlich der Chaussee noch von Wallhecken umgeben, laut Grundbuch wurde es als Ackerland genutzt. Zimmermeister Friedrich Harms Freudendahl baute hier nun in den Jahren 1906 und 1907 zwei Wohn- und Geschäftshäuser mit jeweils einem Ladenraum und mehreren Wohnungen. Vermutlich hat er von Anfang an die Absicht gehabt, sie bei günstiger Gelegenheit zu veräußern, aber vorerst wurden sie verpachtet.

Für das Eckhaus war bald ein Pächter gefunden. Der Schuhmachermeister Thade Janssen, der etwas weiter an der Oldenburger Chaussee seine Werkstatt und einen Laden für „Konfektionierten Schuhverkauf“ hatte, wollte sich vergrößern und zog 1908 ein. Er erweiterte sein Geschäft außerdem durch die „Annahme der Dampf-Färberei – Chem. Wäscherei J.H. Eilers, Bant“, wovon das Werbeschild am Ladeneingang kündete.
Sein Sinnen war aber, ein eigenes Geschäftshaus zu errichten, denn dieses Haus zu erwerben, kam für ihn nicht Frage. „Unserem Opa missfiel sehr, dass es in den Fluren des Hauses so viele Klosetts gab. Und das waren zu der Zeit Plumpsklos! Außer meinen Großeltern wohnten ja noch drei Familien in dem Haus“, berichtet sein Enkel Erwin Behrends. Schon bald darauf konnte Thade Janssen ein Grundstück auf der gegenüberliegenden Straßenseite erwerben, nämlich wo Müller Ludwig Janssen das alte Müllerhaus abreißen ließ. Am 17. Oktober 1908 kaufte er das unbebaute Eckgrundstück Oldenburger Chaussee/Schulweg. Aber der Umzug in den eigenen Neubau fand erst einige Jahre später statt. Fest steht, dass 1913/14 für den nun in Jever wohnenden Proprietär Freudendahl offenbar der Zeitpunkt gekommen war, sich von seinem Heidmühler Besitz zu trennen. Seine Zukunftspläne lagen im Osten des Reiches. Zunächst verkaufte er 1913 das kleinere der beiden Häuser an den Heidmühler Bäcker Anton Jochens (zuletzt Mönnich, im August d. J. abgerissen) und im März des folgenden Jahres das Eckhaus an den Jeveraner Kaufmann Ernst Wilhelm Hayen. Danach siedelte er nach Zoppot bei Danzig um.

E. W. Hayen eröffnete am 2. Mai 1914 eine Fahrrad- und Eisenwarenhandlung. Das Geschäft ist bis heute in dritter Generation in Familienbesitz, wenn auch mit einem sehr veränderten Angebot. Dies ist ein langer Werdegang, seine dauernde Veränderung in den fast 100 Jahren bedarf der besonderen Darstellung. Georg Schwitters

Unser Foto von ca. 1909 zeigt v.l.n.r. Marie Janssen geb. Preemann mit der kleinen Tochter Johanne, den Hauseigentümer Zimmermeister Friedrich Harms Freudendahl und Schuhmachermeister und Geschäftsinhaber Thade Janssen.

„Heidmühle und Schortens in Bildern der Vergangenheit“ wird als Serie fortgesetzt. Wer historische Dokumente und Fotos dafür zur Verfügung stellen kann, wende sich bitte an Georg Schwitters,
Telefon (04461) 8 31 89.

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