Ein Häuslingshaus inmitten der Natur
Das Dasein war geprägt von harter Arbeit und Sorge um das tägliche Brot
Auf der Fahrt über die Kreisstraße 95, aus Schortens kommend in Richtung Schoost, sieht man nach der Abzweigung des Klosterlandwegs zur rechten Seite freie, langgestreckte Landflächen. Auf einem dieser Landstreifen stand früher abseits der Straße ein idyllisch gelegenes Häuslingshaus. Auf der „Lange Ackers“, später „Hogegast“ genannten Parzelle wohnten im 19. Jahrhundert die Familienmitglieder Ricklefs.
Das Häuslingshaus muss bereits um 1800 bewohnt gewesen sein. Nach den grundbuchlichen Unterlagen zu urteilen, war Johann Harms Ricklefs der erste Eigentümer. Damals gehörten noch ein großer Garten und eine Schafweide dazu, die beide an Bernhard Janßen in Schoost verkauft wurden.
Am 9. Mai 1877 gab Hermann Behrens Ricklefs vor dem Justizrath Graepel beim Großherzoglichen Amtsgericht zu Jever zu Protokoll, dass sein Vater, Harm Behrens Ricklefs, 1837 verstorben sei. Der Vater hatte kein Testament hinterlassen. Er wurde von seiner Witwe Thale Maria geb. Gerdes, seiner Tochter Grete, nachherige Ehefrau des Arbeiters Frerich Bohlken zu Schoost und von Hermann Behrens Ricklefs beerbt. Die Mutter starb 1858. Im privatschriftlichen Testament vermachte die Mutter ihren Anteil dem Sohn Hermann. Die Tochter Grete erhielt eine Barabfindung. Anton Meier aus Upjever und Frerich Bohlken aus Schoost konnten dem Justizrat Graepel diese Angaben bestätigen und daraufhin wurde Hermann Behrens Ricklefs als rechtmäßiger Eigentümer in die Mutterrolle eingetragen.
1889 erwarb Ricklefs eine Parzelle von Gerd Christopher Gerdes zu Schoost. Das Grundstück gehörte früher Johann Christian Janssen. Im Gegensatz zu heute wurde in früheren Zeiten sehr viel mehr Land gekauft und verkauft. Nur dadurch war es oftmals möglich, das zu bearbeitende Land dicht am Haus zu haben. Auch damals war Zeit bares Geld. Lange Wege wollte man sich nach Möglichkeit ersparen.
1900 starb Hermann Behrens Ricklefs. Er hinterließ seine Ehefrau Gesche Margaretha und die Tochter Maria. Im Testament bestimmte der Verstorbene, dass die Tochter Maria, die inzwischen mit dem Landwirt Hinrich Behrens Wilken verheiratet war, Eigentümerin des Grundstücks wurde. Seine Ehefrau Gesche Margaretha erhielt ein Nießbrauchrecht. Aus der Ehe Hinrich Behrens und Maria Wilken gingen die Kinder Anna und Hermann Hinrich Behrens und Martha Wilken hervor. Hinrich Behrens Wilken übte als Nebenberuf die Hausschlachterei aus. Das karge Einkommen konnte dadurch etwas aufgebessert werden. Hermann Hinrich Behrens Wilken, geboren 1898, wurde 1936 infolge Erbübergang Grundeigentümer. Mit Erreichen der Altersgrenze übergab er 1965 den Besitz an seinen Sohn Heinz Wilken.
Das Häuslingshaus ist ca. 1920 abgebrochen worden. Geblieben ist das alte Foto von einem wunderschönen, von Bäumen umwachsenen Haus. Es strahlt Ruhe und Gelassenheit aus, keine Hektik wie heute. Geblieben sind auch noch Mauersteine, die beim Pflügen des heutigen Ackerlands ans Tageslicht kommen. Dann denken wir unwillkürlich an die Menschen zurück, die in der damaligen Zeit lebten. Ihr Dasein war geprägt von harter Handarbeit, wenig Freizeit und dauernder Sorge um das tägliche Brot. Das Miteinandergefühl in der Familie musste stimmen. Dieses alles müssen wir heute in unsere Überlegungen einbeziehen, wenn wir von den früheren „guten alten Zeiten“ sprechen. Rudi Rabe
