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Historisches

Beliebter Treffpunkt: Warntjens Gastwirtschaft

Die Konzession wurde schon im Jahr 1883 erteilt

Am 15. Oktober 1871 wurde die neue Bahnstrecke Sande-Jever der Großherzoglich-Oldenburgischen-Eisenbahn (G.O.E.) feierlich eingeweiht. Die Entscheidung der G.O.E. für den Standort eines Schortenser Bahnhofs war zugunsten der Heidmühle gefallen, wo sich neben der Mühle als einziges Haus nur das alte Müllerhaus befand. Die nächstgelegene Siedlung war die „Südliche Feldhauser Riege“ (heute Heinrich Tönjes-Straße). Mühle und Bahnhof sollten zum Kristallisationskern eines neuen Ortes werden, aber es dauerte fünf Jahre, bis im Jahre 1876 der erste Neubau entstand.

Und ausgerechnet dieses erste Haus steht bis heute, während viele spätere Häuser des eigentlichen Baubooms von Heidmühle um 1900 längst durch neue ersetzt worden sind: die heutige Gaststätte „Friesen-Hof“.
Als Erbauer konnte das Ehepaar Johann Tjarts Gerdes und Marie Catharine geb. Hinrichs ermittelt werden. Danach kam es zur Ehescheidung, die Ehefrau löste das Haus aus und brachte es in ihre neue Ehe mit dem Weichenwärter Johann Friedrich Hellmers ein. Hellmers war seit 1877 mit der Aufgabe des Stationsaufsehers im Heidmühler Bahnhof betraut.

Nach Lage der Urkunden hatten Johann und Catharine Hellmers das Haus an einen Albert Irps verpachtet, als im Jahre 1883 der Müllergeselle Jacob Johann Gerhard Warntjen (*1851) aus Norden/Ostfriesland in Erscheinung trat. Ob Jacob J. Gerhard Warntjen in der Heidmühle gearbeitet hat ist unklar, aber für den Müller wird die Mühle der Grund gewesen sein, dass er sich hier umsah. Wenn er auch nicht in der Mühle arbeitete, so sah er doch die Möglichkeit, an diesem Ort den Lebensunterhalt mit einer Gaststätte zu verdienen, obwohl auch in dem Müllerhaus eine kleine Brauerei und eine Gaststube vorhanden waren. Er pachtete jedenfalls das Hellmersche Haus.

Im Frühjahr 1883 überstürzten sich die Ereignisse: am 30.April 1883 heiratete Gerhard Warntjen Gesche Catharine Borchers (*1859), mit dem Datum des 1. Mai 1883 erhielt er die „Conzession zur unbeschränkten Gastwirtschaft“. In den folgenden Jahren wurden vier Kinder geboren: Frieda (*1884), Eduard (*1886), Marie Sophie (*1888) und Friedrich Wilhelm (*1890). Das Jahr 1888 war wieder ein entscheidendes: am 11. Oktober wurde der Kaufvertrag für das gepachtete Haus unterschrieben. Spätestens ab nun erweiterten die Warntjens ihr Geschäft um eine kleine, aber gewinnbringende Kohlenhandlung, lag doch die Bahn als Zulieferer vor der Haustür und die Haushalte in dem wachsenden Ort nahmen zu.

Die Gastwirtschaft lief gut, die herangewachsenen Kinder halfen alle mit. Marie Sophie, genannt Mimi. erlernte nach ihrem Schulbesuch den Beruf einer Köchin im „Erbgroßherzog zu Jever“. „Sie erzählte oft aus der damaligen Zeit. Der Jeversche Kriegerverein lud für Sonntag, den 29. Januar 1905, zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers ein. Wilhelm II. wurde am 27. Januar 46 Jahre alt. Mit gebührendem Respekt wurde erst zwei Tage später der Geburtstag gefeiert. Mit viel „Hurra, Hurra!“ und einer angepassten Theatervorführung wurde der Festtag begangen.“ (Rudi Rabe 2010)

Dagegen war das Jahr 1913 für Heidmühle ein trauriges: Die Mühle wurde abgerissen. Der letzte Mühlenbesitzer Ludwig Janssen war durch widrige Umstände in eine derartige finanzielle Notlage geraten, dass er die Mühle verkaufen musste. „Gerhard Warntjen versuchte noch, die Denkmalbehörde in Oldenburg für den Erhalt der Mühle zu interessieren. Man hatte zu einer Bürgerversammlung eingeladen und dazu eine Kommission aus Oldenburg gebeten. Durch Missverständnisse schlug dieses Treffen fehl und der Abbruch ging unbehelligt vonstatten.“ (Erhard Harms 1984).

Ab 1. Dezember 1915 erhielt Gerhard Warntjen auch die Konzession für die Gaststätte im Bahnhof. Die Bewirtung wurde stundenweise entsprechend dem Zugfahrplan besorgt. Die Bahnhofsgaststätte war in dieser Zeit der Ort manch eines letzten Abschieds von den in den Krieg ziehenden Heidmühlern. Am 10.6.1917 war unter den Gefallenen in Rumänien auch Warntjens Jüngstgeborener Friedrich Wilhelm.

Nach dem Krieg wandten sich die Menschen wieder den angenehmeren Seiten des Lebens zu. Gerhard Warntjens Gaststätte wurde ein beliebter Treffpunkt für Vereine, wozu sicher auch Tochter Mimi, die bereits als „rechte Hand“ in der Wirtschaft tätig war, beitrug. „Bei der Gründungsversammlung des Boßelvereins Heidmühle 1919 wurde ein Vereinsname gesucht. Mimi schlug „Frei weg“ vor, und die 17 anwesenden Friesenspieler votierten einstimmig für diesen Namen.“ (Rudi Rabe 2010).

Das 50jährige Geschäftsjubiläum im Jahre 1933 erlebte Warntjens Frau Catharine nicht mehr. Sie starb 1929, Gerhard Warntjen selbst folgte ihr 1934. Die Gaststätte aber wurde von Tochter Mimi mit großem Erfolg bis 1964 weitergeführt.*)

Sie blieb Warntjens Gaststätte, denn die unverheiratete Mimi Warntjen verkaufte sie an ihren Neffen Gerhard Warntjen jun. Als gelernter Hotelfachwirt war er schon seit 1958 bei ihr angestellt und führte mit seiner Frau Hilde das Lokal in bewährter Art weiter. Er verkaufte es schließlich im Jahre 1984. Damit ging nach 101 Jahren eine alte Familientradition zu Ende, nicht aber die der Gaststätte. Sie ist den Heidmühlern mit dem neuen Namen „Friesen-Hof“ bis heute erhalten geblieben.

Georg Schwitters

*) Die Geschichte der „Ära Mimi Warntjen“ wurde von Rudi Rabe, Schortens, anschaulich dargestellt und ist nachzulesen in dem Buch: „Das höchste der Gefühle – ist ein Mädchen aus Heidmühle“, ISBN 978-3-9813621-4-5

„Heidmühle und Schortens in Bildern der Vergangenheit“ wird als Serie fortgesetzt. Wer historische Fotos und Dokumente zur Verfügung stellen kann, wende sich bitte an Georg Schwitters, Telefon (04461) 8 31 89.

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