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Unsere Kirchen

St.-Stephanus Kirche

Lage und Geschichte
Das alte Dorf Schortens liegt hochwassersicher auf einem eiszeitlichen Geestr├╝cken. Nicht weit von der Kirche entfernt wurde ein vom 6. bis zum 12. Jahrhundert belegtes Gr├Ąberfeld ausgegraben, das ungef├Ąhrdet ohne jede k├╝nstliche Erh├Âhung im gewachsenen Boden liegt.
Dass die St.-Stephanus-Kirche trotzdem auf einer hohen Warft steht, ist einzig dem Verlangen der Oestringer, der hier ans├Ąssigen Friesen, zuzuschreiben, das Geb├Ąude weithin sichtbar zu machen, das sie bald nach 1153 aus Stolz auf einen Sieg ├╝ber ein ├╝berlegenes s├Ąchsisches Heer errichtet haben. Bis dahin besa├č┬čen die Schortenser keine eigene Kirche, sondern sie waren im 7 km entfernt gelegenen Kirchdorf Sandel eingepfarrt.

Die erste Steinkirche
Nach den bis dahin ├╝blichen Holzkirchen erbauten die Oestringer die erste steinerne Kirche auf der Ostfriesischen Halbinsel – aus Granitfindlingen von der heimischen Geest sowie Tuff aus der Eifel, der auf dem Wasserweg hertransportiert wurde. Das massive, 2 m breite Granit-Fundament, das im Baufortschritt von allen Seiten mit Sand und Heideplaggen angeworfen wurde, bildet den Kern der wirklich einmaligen, 4,50 m hohen Warft.

Die S├╝dwand
Die St.-Stephanus-Kirche ist ein ungegliederter Apsissaal mit halbrunder Apsis. An der S├╝dwand ist noch recht gut zu erkennen, dass die Au├č┬čenmauern urspr├╝nglich zu einem Drittel aus rechteckig bearbeiteten Granitquadern bestanden, dar├╝ber zu zwei Dritteln aus Tuff. Im oberen Drittel lagen f├╝nf schmale, romanische Fenster, die sp├Ąter verl├Ąngert oder erweitert wurden. Die als Zugang f├╝r die M├Ąnner gedachte S├╝dt├╝r ist erhalten.

Die Nordwand der St.-Stephanus-Kirche

Die Nordwand
1361 wurde im Rahmen einer H├Ąuptlingsfehde die Nordwand untergraben und st├╝rzte ein. Beim hastigen Wiederaufbau des f├╝r ihr Selbstbewusstsein so wichtigen Geb├Ąudes nutzten die Schortenser in buntem Durcheinander alles erreichbare Material: Tuff, Granit, Sandstein und den ab etwa 1200 n.Chr. verwandten, an Ort und Stelle gebrannten Backstein. Der Anblick dieser Wand ist recht ungew├Âhnlich! Die Frauent├╝r wurde zugemauert.

Apsis
Die eingezogene, halbrunde Chorapsis war urspr├╝nglich niedriger als der Dachfirst und hatte – wie es bei den hiesigen Kirchen ├╝blich ist – drei Fenster als Symbol f├╝r die Dreifaltigkeit. Sie wurde nach 1361 abgerissen und neu bis zum Dachfirst aufgemauert. Anstelle der drei kleinen Fenster wurden jetzt f├╝nf gro├č┬če eingef├╝gt, an deren Basis man vier r├Ątselhafte, mannshohe Kreuze aus Sandstein setzte. Wo immer an der Kirche Sandstein verwandt ist, z.B. auch an der nach 1361 ver├Ąnderten S├╝dt├╝r, findet man tiefe Rillen, sogenannte Wetzrillen, aus denen sich die frommen Katholiken etwas geweihten Stein schabten und mit nach Hause nahmen.

Turm

Der Turm
Weil die St.-Stephanus-Kirche auf tragf├Ąhigem Sandboden erbaut ist, konnte man ihren Turm direkt an das Schiff anbauen, was ihr au├čergew├Âhnliches Erscheinungsbild noch betonte. In der Marsch stehen die T├╝rme gesondert neben den Kirchen! 1660 schlug der Blitz in die 30 m hohe Spitze, die man auf den 27 m hohen Turmk├Ârper gesetzt hatte.
Nach einer provisorischen Reparatur brach 1678 der angeschlagene Turm zusammen und krachte auf das Kirchenschiff. 1680 war die um zwei Meter nach Osten verlegte Westwand aus Backstein wieder aufgebaut; der Turm selbst konnte erst 1728 aus Backstein erneuert werden.
Nach einem weiteren Blitzschlag 1817 erhielt er ein Zeltdach und das heutige Aussehen, das in nichts mehr an die alte Pracht erinnert!

Der Lettner

Der Lettner
Im Inneren des hellen, in angenehmen Farben gehaltenen Kirchenschiffs f├Ąllt sogleich der ungew├Âhnliche Backsteinlettner ins Auge, der einer quer in den Raum gestellten Br├╝cke aus drei B├Âgen gleicht. Solche Lettner, von denen es vor der Reformation auf der Ostfriesischen Halbinsel 23 gab, wurden im 15. Jahrhundert quer in die Kirchen eingebaut, weil man im Rahmen der wachsenden Ablassfr├Âmmigkeit Raum f├╝r Seitenalt├Ąre brauchte. Die beiden ├Ąu├č┬čeren B├Âgen waren nach hinten durch eine Mauer verschlossen und boten Platz f├╝r Seitenalt├Ąre. Durch den mittleren Bogen blieb der Blick frei auf den Hauptaltar. Oben auf der Lettnerb├╝hne las der Priester Epistel und Evangelien (lat. lesen: legere; daher Lettner, Lektorium, Lektor). 1869 wurden die R├╝ckw├Ąnde zur H├Ąlfte abgetragen, 1953 ganz. Heute sind auf der Ostfriesischen Halbinsel im Ganzen nur noch f├╝nf Lettner erhalten. In Schortens hat Gerd Gerdes Kleihauer 1710 eine sch├Âne, mit Propheten bemalte h├Âlzerne Lettner-Br├╝stung gestiftet. Da nach der Reformation oben auf dem Lettner zus├Ątzliche Sitzpl├Ątze f├╝r Frauen eingerichtet wurden – die M├Ąnner sa├č┬čen auf dem Orgelboden – spricht man hier vom Ollwievvolksboen (Altweiberboden).

Sp├â┬â├é┬â├â┬é├é┬Ątgotischer Fl├â┬â├é┬â├â┬é├é┬╝gelaltar

Aus der Zeit vor der Reformation ist nicht nur der Lettner erhalten, sondern auch der prachtvolle Dreifl├╝gelaltar, ein Triptychon, das nach 1505 wahrscheinlich in Bremen geschnitzt wurde. In der gro├č┬čen Golgatha-Szene im Mittelschrein und in je 12 Reliefs in beiden Seitenfl├╝geln wird auf eindr├â┬â├é┬╝ckliche Weise die Geschichte von Christi Marter, seinem Tod und seiner Auferstehung erz├Ąhlt. Das aus Eichenholz geschnitzte Retabel, das durch zweimaliges Abbeizen 1898 und 1933 heftig gelitten hatte, wurde von November 2000 bis Ostern 2001 vorbildlich restauriert. Eine gro├č┬če Hilfe waren dabei f├╝r die Restauratoren die Kupferstiche des Israhel van Meckenem, die der Schnitzer als Vorbilder genutzt hat und die die Schortenser Kirchenforscherin Ingeborg N├Âldeke in der Literatur auffinden konnte.

Die Kanzel
Graf Anton G├╝nter von Oldenburg bestach im Drei├čigj├Ąhrigen Krieg die katholischen Truppen, indem er ihnen die von seinen Bauern gez├╝chteten hochbegehrten Oldenburger Pferde lieferte. Auf diese Weise wurde sein Land, zu dem auch das Jeverland geh├Ârte, vor Zerst├Ârungen bewahrt, und der Bauer Wichtrich Gerel├â┬é├é┬č konnte zusammen mit seiner Frau Tjamd 1642 der Kirche eine ansehnliche, aus Eichenholz geschnitzte Barockkanzel mit Schalldeckel aus der Mnstermann-Schule stiften. Vollrund geschnitzte Statuen der vier gro├čen Propheten Esaias, Jeremia, Ezechiel und Daniel schm├â┬â├é┬╝cken den Kanzelkorb.

Die Orgel

Die Orgel
F├╝r die Ausgestaltung des lutherischen Gottesdienstes war der vom K├╝ster mit den Schulkindern einge├╝bte und mit der Orgel begleitete Gemeindegesang von hervorragender Bedeutung. Nachdem die erste, 1640 erbaute Schortenser Orgel beim Einsturz der Westwand 1676 zerst├Ârt worden war, baute der Jeversche Orgelbaumeister Joachim Kayser aus alten und neuen Pfeifen das heutige Instrument. An dem sch├Ânen, mit Zimbelsternen geschm├╝ckten Prospekt steht die Jahreszahl 1686.

Taufstein

Der Taufstein
Ein ungew├Âhnliches St├╝ck ist der h├Âlzerne Jugendstil-Taufstein, den die Gemeinde Schortens 1917 zum 400. Jahrestag von Luthers Thesenanschlag gestiftet hat und der nach einem Entwurf des Oldenburger Professors Winter geschnitzt worden ist.

Literatur

Kirchen- und Altarf├╝hrungen in St. Stephanus
Mit Ingeborg N├Âldeke und Ina Beermann haben wir zwei kompetente Kirchenf├╝hrerinnen f├╝r unsere 850 Jahre alte St.- Stephanus-Kirche, die die Geschichte der Kirche und des sp├Ątgotischen Passionsaltars durch ihre Erz├Ąhlungen gerne lebendig werden lassen. Anfragen ├╝ber das Kirchenb├╝ro 04461-80001

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