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Historisches

„All wat hier is, hört mi!“

Jabe Lottmann war Eigentümerin des Anwesens an der Oldenburger Straße

Oldenburger Straße

Das alte Zentrum von Heidmühle bildeten die Häuser in der Oldenburger Straße in Nähe der 1561 errichteten Heidemühle. Das Müllerhaus war auch im Oldenburgischen Parzellenkataster von 1841 noch das einzige. Nach dem Bau des Bahnhofs 1871 kamen ein Bauernhaus und ein Wohnhaus hinzu, aber erst um 1900 setzte eine rege Bautätigkeit ein. Es waren „kleine Leute“, die hier eine Entwicklung des Ortes voraussahen und kleine Läden eröffneten. Die ersten waren der Bäckermeister Johann Gerdes Lottmann (geb. 1852) und seine Ehefrau Jabe geb. Hinrichs (geb. 1860). Beide stammten aus Funnix und hatten zuerst in Schortens die Gastwirtschaft „Oestringer Hof“ gepachtet. Auf Betreiben von Jabe Lottmann wurde jedoch der Schritt gewagt, in Heidmühle ein eigenes Geschäft zu eröffnen. Im März 1897 erwarben sie hier ein großes Grundstück, das über vier Generationen bis heute in Familienbesitz geblieben ist. Heute steht darauf das bekannte Hasenkampsche Geschäftshaus.

Aber zurück in die Zeit der Jahrhundertwende: Das älteste Foto zeigt das Ehepaar Lottmann mit einem der sieben Kinder und einer Angestellten vor ihrem wahrscheinlich noch im Jahre 1897 fertiggestellten Haus. Es hatte kein Schaufenster, was zu jener Zeit bei kleinen Geschäften dieser Art auf dem Lande auch nicht üblich war. Auf dem Schild stand „Kolonialwarengeschäft von Joh. G. Lottmann“. Das Geschäft muss gut gelaufen sein, denn schon vor 1909 bauten Lottmanns ein Zweifamilienhaus auf der südlichen Ecke ihres Grundstückes. Außerdem wurde das Geschäft um eine Kohlen- und Kartoffelhandlung erweitert.
Johann Lottmann starb 1919, er wurde nur 67 Jahre alt. Nun kam die schlechte Zeit der 20er Jahre. Zwei Töchter wanderten nach Amerika aus. Dass die Witwe Lottmann aber in ihrer Geschäftstüchtigkeit nicht nachließ, wird dadurch deutlich, dass sie 1928 das erste Haus rundum erweitern ließ: An beiden Giebeln wurden Ladenräume angebaut, der Drempel erhöht und zur Verschönerung ein Dachgiebel gebaut. Drei ihrer Kinder – sie hatten von den Eltern das kaufmännische Blut – eröffneten hier nun ihre Geschäfte:

  • Tochter Gretchen mit ihrem Ehemann Karl Iggena ein Geschäft mit Manufakturen, Konfektion und Schuhwaren, eine Filiale der Fa. Gustav Reese Jever,
  • Tochter Emma und ihr Mann, der ehemalige Marinesoldat Emil Hasenkamp aus Hamburg, übernahmen das Geschäft der Eltern,
  • Sohn Jonny, das jüngste Kind, eröffnete ein Geschäft für Motorfahrzeuge, Fahrräder und Elektroartikel, daneben betrieb er ein Taxi-Unternehmen.

Oldenburger Straße

„Oma Lottmann“ – wie sie den älteren Heidmühlern noch bekannt ist – wohnte fortan in ihrem Wohnhaus Oldenburger Straße 15. Sie hatte nun auch Zeit, ihre Töchter in Amerika zu besuchen, und das tat sie 1930 als Siebzigjährige. Ihre Erzählungen von diesem Besuch müssen auf den Sohn Jonny großen Eindruck gemacht haben, denn Mitte der 30er Jahre folgte er seinen Schwestern. Seine Geschäftsräume wurden nun der Kohlenhandlung zugeschlagen und 1937 erfolgte die Eintragung derselben im Handelsregister unter dem Namen Hasenkamp.
Aber Jabe Lottmann blieb die Eigentümerin des Anwesens. Sie half auch immer noch, wo eine Hand gebraucht wurde. Es trug sich einmal zu, dass sie bei ihrer Tochter Emma die Kartoffeln für das Mittagessen schälte und ein Fremder eintrat. Ohne sie zu begrüßen, begann er das Geschäftsgespräch mit ihrer Tochter. Da meldete sich Oma Lottmann zu Wort: „Wenn Se glövt, dat ik hier man blots de oll Kartuffelschillerfroo sün, denn sünd Se scheef wickelt. All wat hier is, hört mi. Dat is all miens! Daarmit Se Bescheed weet!“ (Christa Weigert geb. Hasenkamp).
Jabe Lottmann starb 1954, sie wurde 94 Jahre alt. Sie hatte nicht nur den Zweiten Weltkrieg noch miterlebt, sondern auch, dass ihr Geschäft in der dritten Generation von den Enkelkindern Rudolf und Janto Hasenkamp weitergeführt wurde. (Fortsetzung folgt.)

Georg Schwitters

Oberes Foto, v.l.n.r.: eine Angestellte, Jabe Lottmann, Sohn Jonny und Johann Lottmann.
Unteres Foto: Das im Jahr 1928 umgebaute Haus Oldenburger Straße 11.
Fotos (2): Privat

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