„Mit Gunst, der frohe Tag ist da“ – 1847 wurde der Schulneubau am Klein-Ostiemer-Weg errichtet
„Mit Gunst, der frohe Tag ist da, dem sehnend ich entgegen sah” , mit diesem Spruch beginnt ein 17 Strophen umfassendes Gedicht, das – vermutlich vom damaligen Lehrer Gerd Suhren – zur Einweihung der neuen Schule in Schortens verfasst wurde.
1847 war für die Schortenser Schüler ein ereignisreiches Jahr. An der Südseite der Kirche am heutigen Klein-Ostiemer-Weg wurde die neu erbaute Schule feierlich in Betrieb genommen. Dieser Schulbau hatte schon zwei Vorgänger. Dort, wo sich später die Gaststube des Dorfkrugs befand, wurden zuvor die Kinder des Ortes unterrichtet. Der Schulneubau war dringend nötig. Damals besuchten schon 260 Kinder die Schule und der Platz reichte einfach nicht mehr aus. Eine Reparatur des alten Gebäudes kam nicht mehr in Frage. In einem Protokoll des Kirchenvorstands von 1845 heißt es dazu:„(…) das ganze Gebäude ist inwendig wie auswendig so schlecht und baufällig, daß an Reparatur gar nicht zu denken ist.”
Der Wunsch nach einem Neubau entstand auch aus der ungünstigen Lage der Schule. Zitat laut Protokoll: „Die Schule liegt unmittelbar an einer stark frequentierten Straße und einem Wirtshause gegenüber, bei dem sich 4 Wege kreuzen. Lehrer und Schüler sind häufigen Störungen ausgesetzt. Es besteht auch augenscheinlich Gefahr, vorauf den kleineren (Schülern) beim Herausgehen.“ Für damalige Zeiten ist das schon eine erstaunliche Begründung. Man muss bedenken, dass zu dieser Zeit noch nicht einmal Fahrräder existierten. Das Protokoll löste einen lebhaften Briefwechsel zwischen den Vertretern von Kirche und Schule in Schortens und der „Großherzoglichen Consistorial Deputation” aus. Man hatte beabsichtigt, die Kosten für den Schulneubau zum Teil aus den eingesparten Kosten für die nicht besetzte zweite Pfarrei in Schortens zu decken. Das Haus der zweiten Pfarrei stand an dem Platz, auf dem das neue Schulgebäude errichtet werden sollte. Auch aus dem Abriss war noch etwas Geld zu erwarten. Sodann ging es um die Beteiligung der Roffhauser Schulacht an den Baukosten, schließlich sollte in der neuen Schule auch die Wohnung des Hauptlehrers, der zugleich Küster und Organist war, untergebracht werden. Man hat sich schließlich geeinigt und der Schulbau wurde errichtet. Das letzte Protokoll berichtet ausführlich über die Entscheidung, ob der Brunnen am Haus nun ein Dach mit Kurbel und einem Eimer an der Kette haben solle oder eine Pumpe. Da die Kosten dafür nahezu gleich waren, entschied man sich auf Wunsch des Lehrers Gerd Suhren, der von 1845 bis 1871 in Schortens tätig war, für die Pumpe. Es wurden noch vier Bettstellen zur Beschaffung ausgeschrieben, ob ausschließlich für die Familie des Lehrers oder auch für im gleichen Haus wohnende „Lehrergehülfen”, ist nicht erwähnt. Suhren wurde im Schuldienst 69 Jahre alt und ist am 18. Juli 1871 nachts, auf dem Weg von Ostiem nach Schortens, verunglückt.
Alfred Amman

Spielende Kinder auf dem Schulhof – eine Aufnahme aus den 50er Jahren.
Foto: Archiv des Heimatvereins.
