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Historisches

Lebensmittel, Kohlen, Fahrschule, Optik

Wechselvolle Geschichte des Geschäftshauses an der Oldenburger Straße

Unter dem Titel „All wat hier is, hört mi!“ wurde in dieser Rubrik die Gründung des Geschäftshauses Oldenburger Straße 11 durch die Eheleute Johann Gerdes Lottmann und Jabe Lottmann und dessen Entwicklung bis zum Tode von „Oma Lottmann“ im Jahre 1955 beschrieben. Bereits seit den 30er Jahren hatte die Tochter Emma mit ihrem Ehemann Emil Hasenkamp das elterliche Lebensmittel- und Kohlengeschäft betrieben. 1938 starb Emil Hasenkamp. Emma Hasenkamp und ihre beiden Söhne Rudolf (*1921) und Janto (*1926) führten das Geschäft weiter.

Luftbild Hasenkamp

Das Luftbild um 1961 zeigt das Hasenkampsche Grundstück Oldenburger Straße 11, rechts daneben mit dem Spitzgiebel das Haus Nr. 13 und wiederum rechts das Blumengeschäft von Fritz Hetz, das später abgerissen wurde. Ganz rechts das jetzt geschlossene Fahrradgeschäft Hinrichs.

Käthe Hasenkamp erzählt: „Ich arbeitete nach meiner Schulzeit zuerst im gegenüber liegenden Gemblerschen Kolonialwarengeschäft. Dort lernte ich meinen späteren Ehemann Rudolf kennen, nahm dann aber eine Stelle in der Gaststätte Gerhard Eilts in Jever an, von wo mich Rudolf 1940 in das Geschäft seiner Eltern holte. Er musste in den Krieg, 1942 heirateten wir durch eine Ferntrauung. Janto führte die Kohlenhandlung. Im Krieg war nie so genau bekannt, wann ein Zug mit Kohlen kam. Wenn ich sah, dass Waggons ankamen, musste ich schnell handeln und Leute zum Abladen der Kohle und Briketts besorgen. Ich fuhr dann mit dem Rad zur Batterie an der Schooster Straße, wo uns Soldaten abgestellt wurden. Außerdem half ein sog. Zwangsarbeiter, ein Ukrainer mit dem Namen Nikolai, der bei uns wohnte und den ich noch gut in Erinnerung habe.“
Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr das Geschäftsgrundstück weitere umfangreiche Veränderungen. 1954 verkaufte Jabe Lottmann ihr Wohnhaus Oldenburger Straße 15 an den Gärtner Fritz Hetz, der hier ein Ladengeschäft einrichtete. 1955 übernahm Rudolf Hasenkamp das Kohlengeschäft (sein Bruder Janto wanderte 1956 nach Kanada aus) und ließ die Ladenfront des Hauses Hasenkamp durch einheitliche große Schaufenster erneuern.

Gruppenfoto Hasenkamp

Die Inhaberin und die Verkäuferinnen vor den neuen großen Schaufenstern ihres Lebensmittelgeschäftes, v.l.n.r.: Erika Münkewarf, Emma Hasenkamp, Herma Albers, Erika van Bühren. Das Foto ist etwa aus der Zeit von 1955.

Schon zwei Jahre später folgte dann die Erweiterung der Ladenzeile, indem die Zufahrt zu dem Kohlenlager in die Heinrich-Tönjes-Straße verlegt und in der frei gewordenen Lücke der Neubau Oldenburger Straße 13 errichtet wurde. Die Ladenräume wurden vermietet: Auf der linken Seite zog der Elektriker Anton Antons ein, auf der rechten die Firmenkette Seifen-Puls. Wiederum zwei Jahre später, 1959, wurde auch der Lebensmittelladen im alten Geschäftshaus an Anneliese Behrends aus Cleverns abgegeben. Käthe Hasenkamp behielt nur das Porzellangeschäft und einen Laden für Herde und Öfen. Mitte der 60er Jahre, als Elektro-Antons und Seifen-Puls auszogen, verlegte sie das Porzellangeschäft dorthin, rechts zog die Fahrschule Carstens ein.
Die Expansion der Kohlenhandlung, später auch die Verlagerung vom Kohlen- zum Heizölgeschäft, erforderten immer wieder neue kaufmännische Entscheidungen. So verlegte Rudolf Hasenkamp schon 1961 das Hauptlager nach Jever und 1969 schließlich auch das Heidmühler Lager auf das neu erworbene Grundstück Oldenburger Straße 52. Nun war der Zeitpunkt gekommen, das Haus Nr. 11 von 1897 abzubrechen und ein neues zweistöckiges Geschäftshaus zu errichten, das auch die ehemalige Lagerstätte an der Heinrich-Tönjes-Straße umfasste und mit dem Haus Oldenburger Straße 13 eine optische Einheit herstellte. Der gesamte Neubau wurde an die Lebensmittelkette Edeka vermietet. Der erste Pächter war Jochen Lehnecke aus Sande, aber bald folgte Karl Harms aus Jever. Ab 1982 folgten weitere Mieter: das Textilgeschäft Cornelius und Vennefrohne, 1985 übergangsweise das Postamt, 1986 die Fahrschule Bothe, eine Anwaltskanzlei und an der Heinrich-Tönjes-Straße die Arztpraxis von Dr. Hartmut Garten. Seit 1991 befinden sich nun das Geschäft Bruns-Optik und seit 1996 die Physiotherapie-Praxis Insa Lünemann in dem Haus. Seit 2001 auch „SchortensAktiv – Muskeltraining an Geräten“. Das Porzellangeschäft überstand alle Veränderungen am längsten, denn 1993 übernahm Maria Bruns von Käthe Hasenkamp das Geschäft und führte es bis 2001 weiter. Heute ist hier das Versicherungsbüro Richter.

Georg Schwitters

Hasenkamp 1

Auf dem Foto von ca. 1950 sind noch die Auswirkungen des Krieges zu erkennen: Die große Fensterscheibe des ehemaligen Textil- und Kurzwarengeschäftes, das Karl und Gretchen Iggena, geb. Lottmann, bis Mitte des Zweiten Weltkrieges betrieben, war bei Bombenangriffen zu Bruch gegangen und durch kleine Scheiben ersetzt worden.
Fotos (3): Privat

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